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Geschichte

Der Dechant der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes zu Marburg, Pfarrer Dr. Weber, erbte im Jahre 1924 von seinen Eltern ein Haus mitten in der Stadt Marburg.

SpatenstichPfarrer Dr. Weber beim Spatenstich zum Kirchenneubau

Da es in der Kirchengemeinde seit längerem darum ging, eine Einrichtung für nichteheliche Säuglinge und deren Mütter (samt ihren Kindern als "gefallene Mädchen" gesellschaftlich stigmatisiert), oder solche, um die sich aus den verschiedensten Gründen niemand kümmerte, aufzubauen, spendete Dechant Dr. Weber sein Haus in der Ritterstraße 11 der Kirchengemeinde zu diesem Zweck.

Die "Barmherzigen Schwestern der Kongregation des Vinzenz von Paul" nahmen sich dem Aufbau einer solchen Einrichtung an und bauten diese unter der Trägerschaft der Kirchengemeinde St. Johannes, die gerade einmal 2.500 Mitglieder zählte und damit die kleinste Kirchengemeinde in der Stadt Marburg war, auf. Das katholische Säuglings- und Kinder-heim entstand. 25 Plätze waren vorhanden. Aufgrund der großen Nachfrage waren jedoch regelmäßig bis zu 30 Kinder und 5 Mütter im Haus untergebracht. Die Kinder blieben höchstens bis zu ihrem 4. Lebensjahr. Danach gingen die kleinen Kinder meist mit ihren Müttern zurück in ihre Herkunftsfamilien, in entsprechende Kinderheime oder wurden zur Adoption gegeben. Im Jahr 1928 wurde das Säuglings- und Kinderheim durch den Zukauf des Nachbargrundstücks, Ritterstraße 10, erweitert. Die Vinzentinerinnen arbeiteten mit dem Katholischen "Fürsorge-Verein für Frauen, Mädchen und Kinder" zusammen, welche den Kontakt mir den Wohlfahrtsämtern, der Verwaltung und der Klinik hielten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich die Aufnahmestruktur der Einrichtung. Als Folge der Kriegswirren und der Vertreibung wurden auch heimatlos gewordene Kinder und Jugendliche im Heim aufgenommen. Das hatte aber zur Folge, dass weder die Räumlichkeiten noch das betreuende Personal ausreichten. Nach zweijähriger Bauphase wurde 1962 das neue Gertrudisheim in der Großseelheimer Straße 12 bezogen, hier gab es nun 72 Plätze für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Um dem Beziehungskonzept besser gerecht werden zu können, wurde die Zahl der Heimplätze von 72 auf 60 reduziert. Gleichzeitig wurde auch die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter auf 25 angehoben. Obwohl die Kinder und Jugendlichen nun in familienähnlichen Gruppen untergebracht waren, hatte jede Gruppe nur zwei Schlafräume für je 6 Kinder zur Verfügung. Ein einziger Gruppenraum musste für Spiele, das Essen und die Erledigung der Hausaufgaben ausreichen. Diese außerordentlich beengten Verhältnisse waren auf Dauer weder für die Kinder noch für das pädagogische Personal zumutbar. Auf Initiative der neuen Heimleiterin, Sr. Edith Ludwig, bat die katholische Kirchengemeinde St. Johannes 1969 den Caritasverband Marburg um Planung und Übernahme der Trägerschaft für die Einrichtung eines neuen Kinder- und Jugendheimes.

Auf Grundlage der eigenen Erfahrungen und unter Beratung sowie einer engen Zusammenarbeit mit dem Landesjugendamt, der Internationalen Gesellschaft für Heimerziehung und der Heimberatung des Caritasverbandes wurde das Gertrudisheim in seiner jetzigen Gestalt konzipiert. Auf einem 11.000 qm großen Grundstück am Richtsberg wurde 1972 der erste Spatenstich getätigt und 1975 konnte das Gertrudisheim unter der Trägerschaft des Caritasverbandes Marburg e. V. in die neu errichteten Gebäude einziehen.

In die Konzipierung der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung gingen sowohl die Erfahrungen aus den beiden Marburger Vorläufereinrichtungen ein, als auch die Diskussion um die stationäre Jugendhilfe, die Ende der 60-er und Anfang der 70-er Jahre geführt wurde.

Integrierendes Bindeglied blieb dabei eine dem christlichen Menschenbild verpflichtete Arbeitsweise, die den uns anvertrauten jungen Menschen in erster Linie die Erfahrung des Angenommenseins ermöglichen soll. Um gleichzeitig den vielschichtigen und wachsenden Anforderungen an Professionalität gerecht zu werden, wurde von Anfang an Wert auf eine fachlich qualifizierte Mitarbeiterschaft gelegt. Dies ermöglichte es, die Qualitätsstandards der stationären Jugendhilfe, wie sie vom KJHG eingefordert werden, in unserer Konzeption zu gewährleisten und diese fortzuschreiben. Als äußerer Rahmen für eine zeitgemäße Heimerziehung wurde ein Verbundsystem selbständiger Wohneinheiten gewählt, das sich heute in vier Kinder- und Jugendhäuser und eine Mutter-Kind-Abteilung gliedert.